Familie

Als Familie bezeichnet man die Lebensgemeinschaft von Menschen, die sich kennen und mögen und die miteinander auskommen wollen. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob die Lebensgemeinschaft sich zu noch weiteren Zwecken zusammengefunden hat und wenn ja, zu welchen. So können sich beispielsweise Belegschaften von zumeist kleineren Firmen als "eine große Familie" begreifen, ebenso langjährige Bekannte am immer gleichen Urlaubsort und ebenso Angehörige eines aktiven Vereinslebens. Manche zählen auch geliebte Haustiere als Familienangehörige und unter Ureinwohnern anderer Länder wie den Indianern ist es üblich, selbst weitere Bestandteile der Natur zu ihrer Familie zu zählen, indem sie beispielsweise Bäume als ihre Brüder und Schwestern verstehen, die es völlig zurecht zu schützen und zu ehren gilt.

Ursprünglich bezeichnete der lateinische Begriff "familia" allerdings etwas ganz anderes, nämlich den Besitz eines römischen Patriarchen, also seinen Hausstand bestehend aus Frauen, Kindern, Dienern, Sklaven und dem Vieh. Zu anderen Zeiten wurde der Begriff der Familie reduziert auf ausschließlich verwandtschaftliche Zusammengehörigkeiten, was auch heute noch die im Prinzip vorrangige Gebrauchsweise ist. Diese Verwendung des Begriffs der "Familie" beinhaltet dann aber leider nicht selten, daß sich die Betreffenden vielleicht gar nicht mögen, sich eher gar nicht (mehr) ausstehen können oder aber sich sogar überhaupt nicht näher kennen und sich selten bis nie auch nur gesehen haben. Eine echte Familie ist sowas eigentlich eher nicht.

"Familie kann man sich nicht aussuchen!" wird dann gerne behauptet, was natürlich gequirlter Blödsinn ist, weil die Aussage behauptet implizit, daß sich der Begriff der Familie nicht von jedem selbst bestimmen ließe, was wie eben gezeigt, nunmal nicht stimmt. Aber selbst wenn wir mal ausschließlich die rein verwandtschaftliche Betrachtungsweise der Familie zugrunde legen: Wieviele Eltern haben bereits ihre ungeliebten Kinder in Heime abgeschoben oder haben sich umgekehrt ihren unerfüllten Kinderwunsch mit Adoption erfüllt? Wieviele Ehen wurden schon gegen den erklärten Widerstand des Umfeldes heimlich geschlossen oder umgekehrt offiziell geschieden? Wer sich seine Familie selber aussuchen will, der schafft das auch, und sei es in einem Kloster.

Allerdings gehört zu einer guten Familie auch, daß man Spannungen aushält und Probleme löst, anstatt davor davonzulaufen. Liebe ohne Konflikte gibt es nunmal - wenn überhaupt - dann immer nur auf kurze Zeit. Wie sagt der Volksmund bei Streitigkeiten: "Das kommt in den besten Familien vor!"

Insgesamt kann aber ein falsch verstandener Familienbegriff die Menschen auch mehr voneinander entfremden, als zusammenführen. Das beweist nicht nur die lange Liste von Familien, die sich in der Vergangenheit bis aufs Blut miteinander verfeindet haben und die, wenn sie die gesellschaftliche Stellung dazu hatten, auch schon ganze Kriege angezettelt haben.

In der heutigen Zeit liegt das Problem der Entfremdung der Menschen eher in der romantisch-kitschigen Verklärung von Microfamilien als dem angeblich erstrebenswertem Ideal, also von Familien bestehend lediglich aus Vater, Mutter, Kind oder gar nur aus alleinerziehender Mutter und Kind. Aufgrund des Fehlens weiterer erwachsener Familienmitglieder sind diese Microfamilien nämlich gekennzeichnet durch eine hohe Belastung der Erziehenden, die ja außerdem noch Geld verdienen und einkaufen müssen, waschen und Essen kochen müssen, Behördengänge und Hausordnung erledigen müssen, etc. etc. etc., und die dann auch noch Zeit haben sollen für die Kinder mit all ihren Problemen von Hausaufgaben bis Liebeskummer. Von vielleicht ein bißchen Zeit für sich selber mal ganz abgesehen.

Als Folge davon können sich die Microfamilien wenn überhaupt, dann nur sehr notdürftig um Kontakte untereinander kümmern, woraus die stetig steigende Anonymität in den Städten resultiert. Diese wiederum schlägt auf die Kinder zurück, die damit nämlich nur über eine äußerst dürftige Anzahl an vertrauten erwachsenen Bezugspersonen verfügen. Die meisten der Erwachsenen in ihrer Umgebung sind eben nur noch Fremde, denen sie "zu ihrem eigenen Schutz" dann möglichst auch noch Mißtrauen entgegenzubringen gelehrt bekommen. Die Ergebnisse bei den Kindern, die so in einer mehr durch Konsumwaren und technische Gerätschaften als durch soziales Miteinander bestimmten Umwelt aufwachsen, sind hinlänglich bekannt: Alkoholmißbrauch, Internetsucht, Kriminalität und all die sonstigen Erscheinungen von Wohlstandsverwahrlosung.

Das alles dann bis hin zum sexuellem Mißbrauch von Kindern, denn der findet nunmal in zwei Dritteln aller Fälle ebenfalls innerhalb dieses sogenannten "familiären Umfeldes" statt und nur zu einem Drittel außerhalb. Um das zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß nämlich 40% aller Sexualstraftäter selber noch Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende sind und daß erwachsene Sexualstraftäter häufig bereits in ihrer Jugend Mißbrauchsverhalten zeigten sowie etwa die Hälfte davon vernachlässigt oder selber mißhandelt wurde. Wer die Zahlen nicht glaubt, der kann sie nachlesen: In der Dokumentation der Reden von Helmut Kohl - bekanntlich CDU - und Anderen zur Kinderschutzkonferenz im Kanzleramt vom 17. Juni 1998. Zu finden in dem äußerst interessanten Sonderheft der Hanns-Seidel-Stiftung - bekanntlich nahe der CSU - zu Kindesmißbrauch (und so so ganz nebenbei, wenn auch ungewollt, zur Psyche von sich mit dieser Thematik befassenden Psychiatern). Link: http://www.hss.de / uploads / tx_ddceventsbrowser / politische_studien_sonderheft_kindesmissbrauch_e.pdf.

Daß trotzdem die Lüge vom angeblichen Idealbild einer romantisch-kitschigen "Kleinfamilie" gerade von sogenannten "christlichen" Kreisen weiterhin stur verbreitet und jedwedes freiheitlicheres Verständnis von Familie als den Untergang des Abendlandes hingelogen wird, liegt an deren schon immer dagewesenen teils kindlichen und teils krankhaften Sucht nach Herrschaft. Wir kennen das schon aus der Vergangenheit: Da wurden im Namen von Gott und dem Frieden auf der Welt Kreuzzüge gegen "Ungläubige" und Zwangsmissionierungen von "Heiden" durchgeführt, mit Vernunft und Verstand begabte Menschen als "Ketzer" der Inquisition zum Fraß vorgeworfen und "Hexen" ebenso verbrannt wie Bücher. Doch auch in der Gegenwart ist die Sucht nach Herrschaft sogenannter "Christen" ungebrochen.

Denn was steckt dahinter, wenn die CDU verbreitet: "Familie ist, wo Kinder sind", und dann noch einem Papst Recht gibt, der sich hinstellt und die Menschen sogar mit der Aussage verarscht: "Alles, was dazu beiträgt, die auf die Ehe eines Mannes und einer Frau gegründete Familie zu schwächen, was direkt oder indirekt die Bereitschaft der Familie zur verantwortungsbewußten Annahme eines neuen Lebens lähmt, was ihr Recht, die erste Verantwortliche für die Erziehung der Kinder zu sein, hintertreibt, stellt ein objektives Hindernis auf dem Weg des Friedens dar."?

Im Namen des Friedens wird eine Gesellschaftsstruktur vehement gepredigt, die durch extreme Entfremdung der Menschen gekennzeichnet ist, und die sich deswegen leicht beherrschen läßt. Die Entfremdung der Menschen, durch die diese der Obrigkeit gefügig gemacht werden sollen, basiert auf:

Am besten sieht man das Prinzip anhand der ganz besonders autoritären Kaiserzeit. Damals wurde der absolute Herrschaftsanspruch sogar dadurch in die Familien getragen, daß Kinder ihre eigenen Eltern mit "Sie" anreden mußten! "Sie Frau Mutter" und "Sie Herr Vater" - selbst vor derartigen Perversionen schreckt die ach so "christliche" Herrschaftssucht nicht zurück. Ganz zu schweigen natürlich von all den erzwungenen Verklemmtheiten beim Kennenlernen zwischen den Geschlechtern und der schon erwähnten haßerfüllten Verdammung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Alles im Namen des "christlichen" Friedens! Daß dazu Sex nur in der Ehe stattfinden sollte, das Schließen der Ehe aber erstmal von Eltern, Priestern und während der Industrialisierung auch noch vom allmächtigen Fabrikbesitzer bzw. dem Handwerksmeister genehmigt werden mußte, waren weitere dieser abartigen Hirnauswüchse der Herrschenden.

Heutzutage ist es aufs Dreisteste erstunken und erlogen, wenn die CDU laut döhnst, die Microfamilien gewährleisteten "den Zusammenhalt in der Gesellschaft". Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wie extrem beispielsweise die heutige Situation mit ihren Microfamilien zur Entfremdung ganzer Generationen voneinander führt, läßt sich kaum treffender beschreiben, als mit folgender selbst erlebten Begebenheit: Kleiner Sohn einer alleinerziehenden Mutter in einer 300.000-Einwohner-Stadt sieht im Fernsehen den Film 'Titanic'. Bei der Schlußszene mit der 107-jährigen Oma fängt er plötzlich und völlig unvermittelt an, sich zu ereifern: "Stirb doch endlich! Verrecke endlich!". Schockiert und sprachlos schauen wir übrigen uns an, bis eine junge Frau die Worte findet: "Was ist denn mit Dir los? Hast Du denn keine Oma?". Ohne zu zögern kommt prompt und mit richtig viel Stolz in der Brust die Antwort: "Nee, sowas hab' ich zum Glück nicht!".

Einige Jahre zuvor war beim Busfahren bereits folgende treffende Situation zu erleben: Zwei kleine Jungs im Bus unterhalten sich. Fragt der eine den anderen: "Warst Du schon in Titanic?". Antwort des anderen: "Ja, aber kannst Du vergessen. Voll langweilig! Sitzt Du drei Stunden im Kino bis das Schiff endlich absäuft!".

Wer es im Gegensatz zur rücksichtslosen Herrschaftssucht "christlicher" Heuchler ernst meint mit dem Frieden in der Gesellschaft und in der Welt, der muß sich aktiv einsetzen gegen die von gerade diesen "christlichen" Heuchlern absichtlich herbeigeführten Entfremdung der Menschen voneinander. Das bedeutet, er muß als allererstens deren armselig primitive Definitionen von Familie, Liebe und Sünde schlicht zum Teufel jagen. Frieden entsteht nicht da, wo oberstkitschig aufgedonnerte Päpste und verbiesterte Bischöfe die emotionale Selbstverstümmelung durch Armut an Sex predigen und dabei selber wegen ihrem Zölibat an permanentem Samenstau leiden, wenn sie sich nicht wie schon so manch anderer katholische "Würdenträger" vor ihnen an ihren Meßdienern vergehen oder in sogenannten "Priesterseminaren" ihre Sex-Orgien feiern. Frieden entsteht exakt genau da, wo Menschen sich nicht mehr voneinander entfremden lassen, sondern wo sie sich und andere mögen. Punkt. Nur genau das wollen gerade "christliche" Herrscher natürlich nicht hören, denn wahre Freundschaft und Liebe der Menschen untereinander zersetzt deren Macht und hält sich nicht an deren Normen. Gerade deswegen ist es ja so gut, daß es wahre Freundschaft und Liebe gibt und daß wir beides auch konsequent leben!

 

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