Der Angriffskrieg gegen Rojava Da nach wie vor immer wieder zu hören und zu lesen ist, unsere Bundesregierung würde zu dem Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin bloß schweigen und mache sich deshalb "mitschuldig" (so auch gestern wieder auf einer Demo in Frankfurt/Main), nachfolgend einmal meine Einschätzungen dazu. Meiner Meinung nach ist das nämlich ganz anders zu sehen! Die Analysen von der IL (Interventionistischen Linken) sind von allen, die ich gerade bekomme, noch die am weiten besten, aber auch die finde ich nach wie vor viel zu schwach und nicht das wirkliche Thema treffend. Es ist einfach nicht so, daß unsere Bundesregierung einfach nur schweigt und sich dadurch "mitschuldig" macht. Ich sage ganz klar: Dieser Angriffskrieg liegt im imperialen Interesse unserer Bundesregierung, deswegen ist er von ihr aktiv gewollt und deswegen wurde und wird er aktiv unterstützt! Daß Leopard 2 - Panzer gerade in Kurdengebiete rollen, ist kein Unfall leichtfertiger Waffenlieferungen, sondern gewollt! Die Erklärungen der Bundesregierung über ihre "Besorgnis" sind blanke Heuchelei, wobei sie sich mit der Heuchelei inzwischen sogar noch immer weniger Mühe gibt. Eigentlich läßt sie nämlich bereits zunehmend unverblümt durchblicken, was bei ihr wirklich Sache ist. Mensch muß sich doch einfach nur klarmachen, daß das Projekt Rojava ein antiimperiales Projekt ist, das sich mittlerweile über mehrere hundert Quadratkilometer erstreckt. Denken wir doch einfach mal kurz an unsere eigene linke Geschichte zurück, an das ähnlich emanzipatorische Projekt "Pariser Kommune". Was hatte das damals bereits zur Folge? Die Erzfeinde Deutschland und Frankreich schließen sich zusammen, um gemeinsam dieses emanzipatorische Projekt auszuradieren, bevor sie sich dann anschließend wieder gegenseitig bekriegt haben wie eh und je. Das Projekt Rojava ist aber inzwischen um einige Dimensionen größer als die Pariser Kommune es je war. Was beobachten wir da inzwischen für Auswirkungen? 1. Schritt: Die Russen ziehen sich zurück. Also zum Verständnis: Da wird syrisches Staatsgebiet angegriffen, von dem Rußland gegenüber dem Westen immer wieder erklärt und auch unter Beweis gestellt hat, wie extrem wichtig ihm sein Einfluß dort ist, bis hin daß der blutige Diktator Assad nur einzig und allein dank der Russen dort überhaupt noch an der Macht ist. Aber jetzt ziehen sich die Russen einfach mal so eben ohne großes Aufhebens zu machen zurück. Schon bemerkenswert und etwas merkwürdig! 2. Schritt, einige Zeit später: Trump ruft Erdogan an uns sagt ihm: "Tue nichts, was meine Soldaten gefährdet!" Antwort von Erdogan an Trump: "Ei, dann zieh' sie doch zurück!" Also zum Verständnis: Die USA, denen wir als Linke immer Hybris, also grenzenlose Überheblichkeit, vorgeworfen haben, lassen sich von einem aufgeblasenen Provinzdiktator gerade vorschreiben, was sie mit ihrem Militär zu tun haben. Ausgesprochen bemerkenswert! 3. Schritt, kurze Zeit später: Die TÜRKEI (also NICHT die USA!) verkündet, daß die USA ab sofort die YPG nicht mehr unterstützen wird. Die Presse fragt im Weißen Haus nach. Dort weiß man von nichts. Also zum Verständnis: Ein für grenzenlose Selbstherrlichkeit bekannter US-Präsident Trump bekommt von Erdogan vorgeschrieben, was er tun soll, ohne sofort auf Twitter vor Wut über diese Anmaßung zu schäumen. Sehr bemerkenswert! Betrachten wir mit diesem Verständnis nun also die deutsche Bundesregierung, die ja ach so "besorgt" ist, daß ausgerechnet ihre Leopard 2 - Panzer für diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg verwendet werden. Sie ruft "zur Mäßigung" auf. Hat aber keine Probleme damit, zur gleichen Zeit in Köln eine Demo mit 25.000 TeilnehmerInnen auseinanderzunehmen, weil da Flaggen von Öcalan gezeigt werden. Also zum Verständnis: Wenn die 25.000 TeilnehmerInnen dort Flaggen von Bin Laden gezeigt hätten, dann wäre das in Ordnung gewesen. Aber von Öcalan ist das eine schwere Straftat, die das Auflösen einer Großdemo vor laufenden Fernsehkameras rechtfertigt! Sehr bemerkenswert! Vor allem vor dem Hintergrund, daß das gesamte zugrundeliegende Verbot so ziemlich sämtlicher kurdischer Symbole erst vor Kurzem erlassen wurde, als die Aggressionen der Türkei und ihre Absichten bereits klar auf der Hand lagen. Weiterhin werden weiterhin mit großem Eifer Kurden vor Gerichte gezerrt, um sie gemäß §129b StGB für Dinge verurteilen zu lassen, die hier bei uns gar nicht strafbar sind. Aber nicht nur das: In zumindest einem Fall wurde sogar soviel Druck auf die Schweiz ausgeübt, daß die einen dort lebenden Kurden verhaftet und hierher ausgeliefert hat. Also zum Verständnis: Diese Bundesregierung, die immer mehr nach dem Prinzip "Ausländer raus!" verfährt und die keine Gelegenheit ausläßt öffentlichkeitswirksam vorzurechnen, wieviel Geld den Staat die Flüchtlinge kosten, holt sich aktiv einen Migranten hierher ins Land, um ihn hier in einem erheblichen Kostenaufwand verursachenden Prozeß von der Justiz aburteilen zu lassen für etwas, was hier gar nicht strafbar ist. Die anschließende langjährige Aufenthaltsgenehmigung im Knast soll ihm offenbar auch anstandslos finanziert werden. Ausgesprochen bemerkenswert! Kurzum: Es ist doch wirklich unübersehbar, daß dieser Angriffskrieg von unserer Bundesregierung gewollt ist. Er entspricht nämlich in vollem Umfang ihren eigenen imperialen Interessen! Wenn unser Innenminister Thomas de Maizière angesichts linker Kritik am Flüchtlingsdeal den Linken doziert, sie mögen doch bitte mal nicht so laut schreien und sich stattdessen überlegen, daß Deutschland in der Türkei weitere wichtige Interessen hat, dann stellt sich doch die Frage, welche Interessen das denn sind! Und ich sage: Die Vernichtung der antiimperialistischen Autonomiegebiete der KurdInnen ist ihr Interesse! Der Flüchtlingsdeal ist da "nur" zweitrangig! Von daher sind auch die Analysen falsch, in denen es heißt, die KurdInnen seien nützlich im Kampf gegen den IS gewesen, doch nun läßt man sie hängen. Stimmt doch gar nicht! Daß Kobane gehalten werden konnte und nicht gefallen ist, das hat den ImperialistInnen doch mächtig gestunken! Das war doch gar nicht geplant! Insbesondere die Vorgehensweise des amerikanischen Imperialismus war es seit Ende des kalten Krieges doch immer gewesen, sich irgendwo aktiv irgendeinen regionalen Feind zu suchen und den dann in seiner angeblichen Gefährlichkeit grenzenlos aufzubauschen, damit sie ihn dann anschließend bekämpfen konnten, um so ihre horrenden Militärausgaben weiter rechtfertigen und außerdem noch ausbauen zu können. Wobei die Auswahl der Feinde nicht willkürlich geschah, sondern sich immer daran orientierte, daß man in einem Aufwasch noch irgendein weiteres Ziel erreichen konnte, das meist so niederträchtig war, daß man wegen Mangel an öffentlichger Akzeptanz deswegen nicht offiziell einen Krieg anfangen konnte. Letztes bekanntes Beispiel war Saddam Hussein. Seine angeblichen Massenvernichtungswaffen wurden bekanntlich nie gefunden. Daß er leichtfertigerweise in Kuwait einmarschierte, war aber lediglich ein willkommener Anlaß für den Krieg. Daß die USA es diesmal nicht bei Kuwait beließen, wie sie es im Krieg Anfang der 1990er Jahre noch getan hatten, sondern diesmal gleich den gesamten Irak aufrollten und Saddam Hussein sogar noch hinrichteten, hatte bekanntlich einen ganz anderen Grund. Einen, den unsere Gesetzesbücher unter der Rubrik "niedere Beweggründe" klassifizieren: Saddam hatte beschlossen, sein Öl künftig nicht mehr in Dollar handeln zu lassen, sondern in Euro. Das war sein Todesurteil! Nachdem Saddam weg war, mußte also möglichst bald wieder ein neuer Feind her! Ein sehr guter Kandidat war und ist weiterhin der Iran mit seinem Öl und seinem Atomprogramm. Aber offenbar hatten die USA sich für einen anderen Kandidaten entschieden: Dem aufgrund des von ihnen herbeigeführten Zusammenbruchs des Irak entstandenen und aufkommenden IS. Der ließ sich vor allem problemlos als gefährlich hinstellen, denn er war es ja tatsächlich. Als eigentliches (niederträchtiges) Ziel konnte man ihn erstmal die antiimperialistischen Kurdengebiete ausradieren lassen, bevor man ihn dann wirklich ernsthaft zu bekämpfen gedachte. Wir wissen ja alle, wie bestenfalls halbherzig die Unterstützung der KurdInnen durch die USA anfangs war, während gleichzeitig aus dem Irak gemeldet wurde, daß da berstend volle Waffenlager angeblich so schwach bewacht waren, daß die Posten schon beim Herannahen des IS davongelaufen seien. Später schickte dann der NATO-Partner Türkei mit Waffen vollgeladenen LKWs über die Grenze nach Syrien zum IS und ließ jeden wegen "Terrorpropaganda" sofort verhaften, der darüber berichtete. Nur sind in diesem Plan nacheinander gleich zwei Dinge schiefgegangen: a) Kobane ist nicht gefallen. Es konnte von den KurdInnen gehalten werden, nicht zuletzt auch dank der Unterstützung der Weltöffentlichkeit. b) Aber vor allem ist noch etwas ganz Anderes gründlich schief gegangen: Der IS ist völlig außer Kontrolle geraten! Er blieb nämlich nicht regional begrenzt, wie eigentlich vorgesehen. Stattdessen erwies er sich als Karzinom, das weltweit vor allem in den imperialistischen Staaten Metastasen zu setzen in der Lage war. Er entwickelte nämlich die Fähigkeit, zu seiner Verbreitung nicht auf Migrationsströme angewiesen zu sein. Stattdessen verbreitete er sich über das Internet. Und das rasant, denn er war durch keinerlei Rasterfahndung oder Ähnliches aufzuhalten, denn die Fahnder mußten feststellen, daß der größte Teil der von ihm rekrutierbaren Menschen in keinerlei Raster paßte. Stattdessen mutierten brave, bislang immer unauffällige junge Menschen - Männer ebenso wie Frauen - reihenweise zu Attentätern, selbst solche ohne jeden Migrationshintergrund. Nachdem also andauernd irgendwo Bomben hochgingen, in Cafes und U-Bahnstationen wild um sich geschossen wurde, ein LKW nach dem anderen in eine Menschenmenge gefahren war, und schließlich sogar wild mit Äxten und Messern um sich fuchtelnd "Allahu Akbar!" gerufen wurde, mußte unbedingt etwas geschehen. Also wurde der Plan geändert: Anstatt erst die KurdInnen ausradieren zu lassen, um sich dann selber militärisch dem IS widmen zu können, wurden nun erstmal die KurdInnen wirklich ernsthaft unterstützt, um zunächst den außer Kontrolle geratenen IS wieder loszuwerden, und das idealerweise ohne eigene Bodentruppen dafür zu benötigen. Alles weist darauf hin, daß die USA sogar gerne noch die KurdInnen etwas länger unterstützt hätten und Rußland das auch weiterhin zu dulden bereit gewesen wäre, u.a. weil der IS entgegen den offiziellen Meldungen ja noch immer nicht ganz besiegt ist. Aber nun knallt eben Erdogan völlig durch und nimmt die Ausführung des noch ausstehenden zweiten Teils des Planes - die Ausradierung der KurdInnengebiete - jetzt bereits selber in die Hände. Rußland und die USA kuschen, während der deutsche Imperialismus tatkräftigst mit Unterstützung zur Stelle ist, denn dieser Angriffskrieg ist auch von ihm gewollt! Die Nachrüstung der Leopard 2 ist nur kurzfristig ausgesetzt, bis die schlimmste Schamgrenze gerade mal so vorbei ist... Der Tod ist ein Meister aus Deutschland! Angesichts der Tatsache, daß dieses Land seit über einem Jahrzehnt von einer Frau regiert wird, die seit nunmehr 7 Jahren auch ganz offiziell als mächtigste Frau der Welt gilt, nun im zuge der Gleichberechtigung offenbar auch eine Meisterin! Joshua Schneeweiß el maricón bravío Creative Commons BY-SA http://www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/