Eve of the War Endlich geben auch die USA ganz offiziell zu, was die gesamte restliche Welt schon lange weiß: Der Siedlungsbau ist eine permanente Aggression und Provokation des Staates Israel gegen die Palästinenser. Acht Jahre hätte Obama Zeit gehabt, der Welt diese simple Wahrheit zu verkünden. Stattdessen behauptet er nun, der Siedlungsbau müsse beendet werden, um eine Zwei-Staaten-Lösung zu ermöglichen. Er überläßt es also geschickt seinem Nachfolger, die Welt offiziell per Twitter darüber zu informieren, daß ein einfacher Blick auf die Landkarte genügt um zu sehen, daß die Option einer Zwei-Staaten- Lösung schon seit Langem nicht mehr existiert. Es sei denn, der Staat Israel würde seine Bulldozer nun schicken, um anstelle von palästinensischen Hütten jetzt zehntausende der von ihm aus rein religiösem Wahn heraus illegal im Palästinensergebiet errichteten Häuser wieder anzureißen: http://www.friedenfuerpalaestina.org/grafiken/landkarten/settlements.gif Netanjahu kotzt dementsprechend Gift und Galle, fuchtelt mit der Bibel rum und schreit "Lest!", ganz so wie wir es von den Salafisten in unseren Fußgängerzonen her mit dem Koran gewohnt sind. Der wahrscheinlich einzige israelische Ministerpräsident, der je eine Zwei-Staaten-Lösung wirklich wollte, war Jitzchak Rabin. Genau dafür wurde er dann auch von den extremistischen Siedlungsfanatikern ermordet, und zwar im Beisein von Netanjahu: http://www.deutschlandfunk.de/20-jahre-nach-rabins-tod-ein-attentat-das-israel-veraendert.724.de.html?dram:article_id=335622 Warum bloß werden die von unseren Politikern und Medien immerzu als "ultraorthodox" verharmlost und nur die islamistischen Fanatiker als "extremistisch" hingestellt? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Feindbilder müssen in der Öffentlichkeit klar sein, wenn der Chef von Exxon am 20. Januar sein neues Amt als Außenminister des derzeit dominantesten Staates des Planeten antritt. Noch obszöner hätte es Donald Trump der Welt schließlich kaum noch klarmachen können, worin der Kern US-amerikanischer Außenpolitik letztendlich besteht. Warum Exxon? BP ist schon lange in das Geschäft mit regenerativen Energien eingestiegen und wirbt damit, daß "BP" nun für "Beyond Petrol" stehen solle, also für "Nach dem Öl" [1]. Shell, die bei ihren dreckigen Geschäften in Afrika selbst vor Mord an Umweltaktivisten und Gewerkschaftern nicht zurückschreckten [2], mischt schon lange dick in der Solarbranche mit [3]. Natürlich läßt sich die berechtigte Frage stellen, inwieweit diese Aktivitäten lediglich dem Greenwashing dienen. Aber immerhin gibt es sie. Bei Exxon nicht. Exxon macht Fossil. Und Exxon hat auch die nächsten 25 Jahre nicht vor, irgendetwas Anderes zu machen als Fossil [4]. Der Chef von genau dem Laden mußte es also sein, der das Greater-Middle-East-Projekt der USA künftig vorantreibt. Was hatte Obama kürzlich der Weltpresse über Rußland in die Federn diktiert? "Sie sind kleiner und schwächer. Ihre Wirtschaft produziert - außer Öl, Gas und Waffen - nichts von dem, was andere Länder kaufen möchten." [5] Die Aussage muß Mensch sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen! Ist es wirklich so völlig unbedeutend, daß am russischen Gas so ziemlich ganz Westeuropa dranhängt? Eher ist es doch schon deren Waffenhandel, angesichts der Tatsache, daß vier Fünftel der weltweiten Waffenproduktion aus westlichen Ländern stammt [6] und daß der US-amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin weiterhin der größte Waffenproduzent der Welt ist [7]. Da steht Rußland wirklich vergleichsweise mickrig da [8]. Aber warum dann so betonen, daß die russischen Kalaschnikows zuverlässiger und treffsicherer - also quasi "todsicherer" - sind als die deutschen Gewehre von Heckler und Koch, und deshalb in der Welt weiterhin ihre Verbreitung finden? Will da jemand die kapitalistische Konkurrenz herabwürdigen? Ähnliches gilt offenbar für das russische Öl. Das braucht ja nun wirklich niemand, schon gar nicht die USA... Bieten sich da doch künftig ganz andere und viel billigere Bezugsquellen an, nämlich dann, wenn Israel den Iran angreift. Die Atombomben, die der Iran besitzen soll, wird man niemals finden. Genauso wie die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein nie gefunden wurden. Da wird aber auch niemand mehr danach fragen, wenn die USA freien Zugriff auf das iranische Öl haben, ohne sich noch mit Preisvorstellungen einer OPEC herumärgern zu müssen. Solche Kleinigkeiten interessieren dann bestenfalls noch diejenigen, die noch nicht vergessen haben, daß der wirkliche Grund für das Todesurteil gegen Saddam Hussein darin bestand, daß er entschieden hatte, sein Öl künftig in Euro statt in Dollar handeln zu wollen. So also werden die USA unter dem mit Putins Hilfe zum Präsidenten gewählten Trampeltier über Israel in den Iran gehen, so wie sie einst unter dem ehemaligen Alkoholiker und erleuchteten Christen George W. Bush über Kuwait in den Irak gegangen sind. Wobei Trump damit lediglich in an Obszönität kaum noch überbietbarer Weise diejenige Politik fortführt, die auch unter dem angeblichen Friedensengel Obama munter weiterlief. Auch unter Obama gedieh und entwickelte sich die US-Kriegsmaschinerie schließlich prächtig. Der einzige Unterschied bestand darin, daß Obama es sehr geschickt verstand, das nicht so offen zu zeigen. Mensch mußte bei ihm schon deutlich genauer hinschauen, um seine Politik richtig zu verstehen. So beispielsweise, als zum vergangenen Jahreswechsel mal wieder das Schauspiel "Anhebung des US-amerikanischen Schuldenlimits" aufgeführt wurde [9]. Was wurde uns da nicht für ein dramatisches Theater aufgeführt mit wackeren Demokraten, die unter Obama angeblich endlich mal etwas gegen die Billionen Dollar an US-amerikanischen Schulden unternehmen wollten? Als ob das wirklich jemals ernsthaft zur Debatte gestanden hätte. Wem ist schon klar, daß es eben gerade die ungehemmte Schuldenanhäufung der USA ist, die die grundelementare Basis von deren gesamten Wirtschaftsmodell darstellt? Jeder rechtschaffende Mensch geht schließlich davon aus, daß Schulden etwas Vermeidenswertes sind, weil ein aufrechter Mensch sie früher oder später zurückzuzahlen hat. Das Wirtschaftsmodell der USA hingegen sieht ganz anders aus. Die USA machen Schulden. Schulden, daß es kracht. Mit Ansage! Die USA beabsichtigen nicht, ihre Schulden jemals in Geld zurückzuzahlen. Als einziger Staat der Erde können sie das, denn die USA "bezahlen" ihre Schulden - mit Waffen! Waffen, die sie überall hin liefern. Der Dollar ist schon lange nicht mehr mit Gold gedeckt. Der Dollar ist mit Waffen gedeckt. Seine Stabilität beruht auf den Läufen ungezählter Gewehre und Kanonen. Der militärisch- industrielle Komplex bildet das wirtschaftliche Rückgrat der USA. Letztlich eine pure Kriegswirtschaft, die die USA in der Welt als Supermacht aufrecht erhält. Das funktioniert natürlich nur solange, wie die Nachfrage nach Waffen gesichert ist. Es hat schon seinen Grund, weshalb die National Riffle Association die wohl mächtigste Lobbyorganisation in den USA ist. Weshalb Trump jedem Amerikaner freien Zugang zu Waffen ermöglichen will. Und weshalb die Bekämpfung von Fluchtursachen anstelle von Flüchtlingen von geheim tagenden Think Tanks wie der durch keinerlei demokratische Basis legitimierte sogenannte "Europäische Stabilitätsinitiative" (ESI) [10] in deren Papieren wie dem von ihm für die deutsche Kanzlerin verfaßten sogenannten "Merkel-Plan" von vornherein gleich auf Seite 1 von 12 als "non-proposals", also als "Un-Vorschläge" abgetan wird [11]. Mensch beachte dabei so ganz nebenbei mit Verweis auf die Ausführungen in [10], daß die ESI ihren "Merkel-Plan" bezeichnenderweise nicht nur in Englisch, sondern auch gleich noch auf Türkisch bereitstellt [12]. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichts wäre für die USA somit schlimmer als eine friedliche Welt, die keinen Bedarf an Waffen mehr hätte. Ohne diese kontinuierliche Nachfrage nach Waffen wären die USA mit einem Schlag ärmer als der ärmste Staat Afrikas. Vielleicht hat die Wahl des Trampeltieres zum künftigen US-Präsidenten ja wenigstens den einen positiven Effekt, daß es der Rest der Welt endlich merkt, daß der einzige wirkliche "Schurkenstaat" in ihr genau derjenige Staat ist, der in dieser Frage immer mit dem Finger schnell auf Andere zeigt, um von sich selbst abzulenken. Ansonsten dürfte es allerdings auch hier in Deutschland, dessen wirtschaftliche Basis als "Exportweltweister" auf der permanenten Niederkonkurrierung des zivilen Restes der Welt beruht, noch sehr viel ungemütlicher werden, als bislang sowieso schon. Trump scheint fest entschlossen, mit Putin einen Deal über die Aufteilung der Welt zu schließen. Er bietet ihm auf der einen Hand einen Freund als Außenminister, und wenn die Verhandlungen mit dem nicht so richtig klappen, dann auf der anderen Hand einen erklärten Gegner als Kriegsminister und die schon längst beschlossene Option des nuklearen Erstschlages. Das Spiel nennt sich bekanntlich "Zuckerbrot und Peitsche". Wir dürfen gespannt sein, wie dieser Deal am Ende ausgehen wird. Aber zumindest ein Detail wurde vor etwas längerer Zeit ja schonmal aus der Ukraine aus einem Telefonat geleakt: "Fuck the EU!" Klingt hart, paßt aber bestens ins Bild. Schließlich war die bisherige militärische Großmäuligkeit Deutschlands nur unter dem Schutzmantel der NATO möglich. Trump hat aber ja bereits verlauten lassen, daß er von der NATO nicht viel hält. Deutschland wird unter seiner US-Präsidentschaft also ziemlich belämmert dastehen. Ohne die seit dem Ende des letzten Weltkrieges bestehende und liebgewonnene Blockkonfrontation steht Deutschland dann da mit einem Bundespräsidenten Steinmeier, der sich bekanntlich noch vor nicht allzulanger Zeit als Außenminister in der Ukraine, also quasi vor Putins Haustür, ungeniert zusammen mit den dortigen Faschisten vom "Rechten Sektor" den Kameras der Weltpresse präsentiert hat. Putin dürfte darüber nach wie vor not amused sein. Und seine Gaspipelines könnte er auch in das wirtschaftlich aufstrebende China legen. Es könnte 2017 verdammt ungemütlich werden. Der Kapitalismus liegt in seinen letzten Zügen. Wenn Lenin Recht behält, dann bedeutet das, daß der Kapitalismus nun wieder in die Phase eintritt, in der er sich zum offenen Faschismus wandelt. Die Pläne dazu liegen schon lange bereit: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58150 Wer sich dafür interessiert, kann sie sich unter Ausbeutung entrechteter Proletarier bequem von Amazon nach Hause schicken lassen: https://www.amazon.de/Weniger-Demokratie-wagen-Wirtschaft-handlungsf%C3%A4hig/dp/389981245X Es könnte 2017 verdammt ungemütlich werden. Joshua Schneeweiß el maricón bravío Creative Commons BY-SA http://www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/ [1] https://web.archive.org/web/20140830080553/http://www.bp.com/en/global/corporate/about-bp/our-history/history-of-bp/special-subject-histories/bp-brand-and-logo.html [2] http://www.taz.de/!5161738/ [3] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/erneuerbare-energien-shell-baut-weltgroesste-solaranlage-in-bayern-1229657.html [4] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/prognose-fuer-25-jahre-exxon-mobil-setzt-auf-erdgas/8361856.html [5] https://de.sputniknews.com/politik/20161217313806057-obama-schwaches-russland-handelt-oel-gas-waffen/ [6] http://www.aufschrei-waffenhandel.de/Aktuelles-zu-Ruestungsfirmen.443.0.html#c8182 [7] http://www.heute.de/sipri-bericht-geschaefte-mit-fragwuerdigen-kunden-europaeischen-und-russischen-waffenschmieden-gehts-praechtig-46030750.html [8] http://www.dw.com/de/waffenverk%C3%A4ufe-weiter-auf-hohem-niveau/a-36620430 [9] http://finanzmarktwelt.de/showdown-drama-um-us-schuldenobergrenze-kommt-in-heisse-phase-20939/ [10] http://www.nachdenkseiten.de/?p=31998 [11] http://www.esiweb.org/pdf/ESI%20-%20The%20Merkel%20Plan%20-%20Compassion%20and%20Control%20-%204%20October%202015.pdf [12] http://www.esiweb.org/index.php?lang=de&id=156&document_ID=170